St. Albans Abbey

Tamara und Norbert sind wieder unterwegs. Diesmal in England und Schottland.

Kunstgeschichtliches ist diesmal auf dem Weg in den Norden und zurück wenig geplant, aber an der einen oder anderen Sehenswürdigkeit wollen wir dann doch nicht vorbeifahren.

So wie an der „Cathedral and Abbey Church of St Alban“ oder kurz: St. Albans Abbey in der Grafschaft Hertfortshire nordwestlich von London.

St. Albans Abbey von außen. Die Abteikirche ist vor allem aufgrund ihrer Architektur kunstgeschichtlich bedeutsam. Sie zählt neben Canterbury, Ely und Peterborough zu den wichtigsten normannischen Kathedralen Englands

Zur Römerzeit befand sich dort die erste größere Stadt auf dem Weg von London in den Norden. Den Namen St. Alban bekam sie aber erst, nachdem dort der erste britische Heilige mit Namen Alban im 3. Jhdt. den christlichen Märtyertod erlitt.1

Einen Schrein oder kleine Kirche dürfte für den Heiligen am Ort seiner vemuteten Hinrichtung bereits im 4. Jhd. errichtet worden sein. Noch in angelsächsischer Zeit wurde mit dem Bau einer Benediktinerabtei begonnen. Die heutige Abteikirche wurde unter den Normannen im 11. Jhdt. im frühromanischen Stil neu gebaut.

Steinerner Hochaltarschirm, der den Chorraum vom dahinterliegenden Schrein des Hl. Alban trennt. Ursprünglich aus dem 15. Jhdt, nach Zerstörungen in der Reformation im 19. Jhdt zT rekonstriert

Im Mittlalter war das Kloster eines der reichsten und mächtigsten Englands. Bis es Heinrich VIII. 1539 auflösen ließ. Heute ist nur mehr die Kathedrale der Abtei erhalten und als anglikanische Kirche in Verwendung.

Auch vom Heiligen ist im Schrein nicht mehr viel übrig. Bei der Auflösung des Klosters wurde der prächtige äußere Marmorschrein zerstört, der goldene juwelenbesetzte Innenschrein geplündert. Die Reliquien wurden vernichtet oder gingen verloren.

Schrein des Hl. Alban auf der Rückseite des Hochaltarschirms

Allerdings nicht ganz. Ein Großteil der Gebeine, die dem Hl. Alban zugeschrieben wurden, gelangte nämlich bereits im 10. Jahrhundert nach Köln2 in die Kirche St. Pantaleon. 2002 schenkten die Kölner der St. Albans Abbey davon ein Schulterblatt. Es ist die einzige physische Reliquie, die sich heute unter dem Baldachin des rekonstruierten Schreins des Hl. Alban befindet ↩︎

Seine frühere Bedeutung als ältester kontinuierliche Pilgerort Englands konnte St. Alban nach der Reformation allerdings nicht mehr wiedererlangen.3


  1. Als Quelle des Martyriums des Hl. Alban dient uns vor allem die „Kirchengeschichte des englischen Volkes“ des Hl. Beda, einem angelsächsische Benediktiner, Theologen und Geschichtsschreiber des 7. und 8. Jahrhunderts. ↩︎
  2. Köln besitzt nach Rom und vor Prag die größte Anzahl an christlichen Reliquien. ↩︎
  3. Derzeit besucht man die früheren Pilgerwanderungen wieder neu zu beleben, wie durch den St Alban’s Way der moderne Wanderer in fünf Etappen von der St Paul’s Cathedral in London direkt zum historischen Schrein des Hl. Alban führt. ↩︎

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