Treffpunkt: Yorkshire Dales

Schloss Inveraray des Duke of Argyll
Mit Van Badham

Von der Isle of Islay ging es für uns zurück auf das schottische Festland und zwar auf die schmale, aber langgestreckte Kintyre-Halbinsel. Von der Fähre aus Islay am Fährhafen Kennacraig angekommen, fuhren wir eine dreiviertel Stunde bis wir Campbell Town im Süden der Halbinsel erreichten.1

Abgesehen davon, dass diese kleine Stadt eine eigene Whiskyregion in Schottland darstellt2, ist sie wenig bemerkenswert. Ziel unserer Fahrt war auch weniger Campbell Town, sondern die zwei in der Nähe gelegenenen Golfplätze bei Machrihanisch, die, wie wir feststellten, vor allem von amerikanischen Golfern gespielt werden.3

Anschließend fuhren wir mit einer Zwischenstation in Inveraray4 – einem kleinen, netten schottischen Ort, der seine Existenz dem dortigen gleichnamigen Schloss5 und Stammsitz des Duke of Argyll verdankt und über ein sehr traditionelles, vielfach ausgezeichnetes Hotel und Restaurant6 verfügt – in einer fast fünfstündigen Fahrt zurück nach England. Und zwar in die Yorkshire Dales.

Dort trafen wir Tamaras Studienkollegin und Freundin Van Badham. Van ist eine australische Dramatikerin, Schriftstellerin und Journalistin, die uns auch schon in Wien besuchte. Dass sich Austrians und Australians ausgerechnet in den Yorkshire Dales trafen, hatte praktische Gründen: Van war gerade auf den Weg von London nach Edinburgh zum dortigen Festival7, das jedes Jahr im August stattfindet, und wir auf dem Weg in den englischen Süden.

Die Yorkshire Dales sind eine sehr pittoreske, idylische Landschaft in Nord-England, dessen Kern heute ein Nationalpark ist. Geprägt werden die baumkargen Flusstäler der „Dales“8 von durch Trockenmauern9 getrennte Viehweiden in den Tälern (Schafe auch etwas höher), während die höheren Lagen Moorland sind und der Moorhuhnjagd10 dienen.

Die Engländer lieben diese Gegend sehr. Sie symbolisiert für sie geradezu idealtyisch das alte England. Vielleicht auch wegen der in den Siebziger und Achtziger Jahre (auch bei uns) sehr populären Fernsehserie „Der Doktor und das liebe Vieh“, deren Außenaufnahmen in den Yorkshire Dales gedreht wurden.11

Pub und Unterkunft in Malham in den Yorkshire Dales

Ein wichtiger Wirtschaftszweig der Gegend ist daher auch der Tourismus. Man sieht viele Wanderer und Radfahrer. Der Ort Malham, wo wir in einem traditionellen Pub und Hotel einquartiert waren, ist zB Ausgangspunkt für Wanderungen in der Gegend.

Obwohl wir nur einen Vormittag Zeit hatten, schlossen wir uns kurz diesen Wanderern an und spazierten mit Van eine Stunde von Malham zum kleinen Wasserfall „Janet’s Foss“. Wir plauderten über alte und neue Zeiten und es fühlte sich fast an, als wären wir gerade Teil eines alten Romans von Jane Austen.


  1. Paul McCartney lebte in den Siebziger Jahren eine Zeitlang mit seiner Familie auf der Halbinsel und schrieb dort den Song „Mull of Kintyre“, den er 1977 gemeinsam mit seiner Band Wings veröffentlichte. Der „Mull of Kintyre“ ist die südliche Spitze der Halbinsel, wo sich ein bekannter Leuchtturm (aber auch nicht mehr) befindet. ↩︎
  2. Vgl meine Anmerkung im letzten Blogbeitrag. ↩︎
  3. Nämlich der heuer genau 150 Jahre alte, von Old Tom Morris geplante „The Machrihanish Golf Course“ und der erst zwanzig Jahre alt „Machrihanisch Dunes“. Beides ganz tolle Linkskurse. Aufgrund einer Fährunterbrechung konnte ich aus zeitlichen Gründen leider nur einen statt wie geplant beide spielen. Eine schwere Entscheidung. Meine Wahl fiel auf den alten Kurs, da ich den Dunes-Kurs bereits einmal auf einer früheren Schottlandreise vor über zehn Jahren gespielt habe. ↩︎
  4. Inver heißt im Schottischen übrigens „Mündung“. Inveraray: Mündung des Aray-Flusses. Inverness: Mündung des Ness-Flusses. ↩︎
  5. Das Schloss, das ich schon bei meiner letzten Schottlandreise besichtigte, war schon öfter Schauplatz von Filmen und Serien. So spielt eine Weihnachtsfolge der TV-Serie Downton Abbey dort, weshalb es seither auch viel von Amerikanern besucht wird. ↩︎
  6. The George Hotel. ↩︎
  7. Genau genommen ist es eine zeitliche Ansammlung mehrerer unterschiedlicher Kultur und Kunst-Festivals, vor allem aber des Edinburgh International Festivals, die jedes Jahr im August, ähnlich der Festspiele in Salzburg, die Stadt prägen. ↩︎
  8. Das englische Wort für Dales stammt vom dänischen Wort für Tal ab. ↩︎
  9. Damit ist ein Mauerwerk aus Bruch- bzw. Natursteinen gemeint, das ohne Zuhilfenahme von Mörtel errichtet wird. Es ist sehr typisch für England und wird heute weltweit mit dem englischen Landschaftsbild in Verbindung gebracht. Historischer Hintergrund für diese Trockenmauern war das sogenannnte „Enclosure System“ oder „Enclosure Movement“, in dem vorher gemeinschaftlich genutztes Land von privaten Großgrundbesitzern eingehegt wurde, um intensiver genutzt werden zu können. Es führte zur Kapitalisierung der britischen Landwirtschaft, aber auch zu einer Verarmung eines großen Teils der Kleinbauern, von denen viele zur Auswanderung nach Amerika nud Australien gezwungen wurden. ↩︎
  10. Die Moorhuhnjagd (auf das echte Moorschneehuhn) beginnt in Großbritannien am 12. August. Dieser Tag wird dort im Jagdkalender als „Glorious Twelfth“ (der ruhmreiche Zwölfte) gefeiert. ↩︎
  11. Die Fernsehserie – Originaltitel: „All Creatures Great and Small“, in wörtlicher Übersetzung „Alle Geschöpfe groß und klein“ – erzählt Geschichten aus dem Leben des Tierarztes und Schriftstellers James Herriot. ↩︎
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