
Nach Durham ging es an unseren nördlichen Endpunkt der Reise in den Südwesten Schottlands. Genau genommen in die Grafschaft Ayrshire und weiter in die Grafschaft Argyll and Bute.




Ayrshire besitzt einige berühmte Golfplätze. Royal Troon ist zB alle paar Jahre Austragungsort der seit 1860 gespielten „Open Championship“.1
Royal Troon ist wie die meisten Plätze hier ein sogenannter „Linkskurs“ (englisch links course). Das sind Golfplätze auf küstennahen Dünen- und Grasflächen mit Heide und Ginster und ohne Bäume.
In dieser für die Landwirtschaft nicht nutzbaren Landschaft, auf denen die Berücksichtigung von Stärke und Richtung des Windes spielentscheidend ist, entwickelten die Schotten das Golfspiel und bauten die ersten Plätze.2 „The Open“ dürfen nur auf klassischen Linkskursen gespielt werden.
Golfen ist auf den britischen Inseln nicht so elitär, wie man glaubt. Selbst die bekannteren, traditionsreichen Golfplätze sind grundsätzlich allen Golfern mit entsprechener Spielstärke zugänglich3 und die Mitgliedschaften für die Mittelklasse leistbar. Es geht hier eher um Bekanntschaften und das „Standing“ in der Local Community, die einem den Zugang zu diesen Clubs eröffnen. Anders als in den „Country Clubs“ in den USA sind diese Golfclubs auch keineswegs hinter hohen Gitterzäunen und langen Driveways versteckt. Hier biegt man von der Straße ab, und steht vor einem „Open-Platz“ wie in Royal Troon.4
Eine Runde Golf habe ich diesmal in Ayrshire leider nicht spielen können. Royal Troon wegen fehlender Spielstärke5 und auf dem von mir als Ersatz vorgesehenen Platz in Dundonald Links wurde an diesem Wochenende die Women’s Scottish Open ausgetragen. So haben wir stattdessen einen Tag bei diesem Turnier zugesehen. Die weltbesten Damen im Golf sieht man schließlich in Österreich nicht so häufig.
Zum Golfspielen kam ich schließlich auf der Isle of Islay [pron.: „EILA“]. Dort haben wir uns für drei Tage in einem Hotel mit angeschlossenem Linkskurs eingebucht. Das Handicap interessiert hier niemanden, wenn man Hotelgast ist, und durch seine entlegene Insellage sind ohnehin nur wenige Golfer am Platz. Platz und Hotel heißen „The Machrie“ und waren wirklich schön, aber die Anreise kein Kurztrip. Von Ayrshire waren wir noch fast einen ganzen Tag unterwegs, um über schottische Küstenstraßen und Fähre dieses Golfresort zu erreichen.6


Die nächste Ziel unserer Reise mit zwei ursprünglich geplanten Golfrunden7 ganz im Süden der Kintyre-Halbinsel werde ich jetzt allerdings um eine Runde kürzen müssen, weil uns auf der Rückfahrt von der Isle of Islay die gebuchte Fähre wegen technischer Probleme ausgefallen ist und wir dadurch einen halben Tag verloren haben.
- Meiner Meinung nach das wichtigste Golfturnier überhaupt. Turnberry, etwas weiter südlich von Troon, war früher auch Austragungort der „Open“, aber seit das Resort von Donald Trump gekauft und in „Trump Turnberry“ umbenannt wurde, ist es nicht mehr in der Rota vorgesehen, gleichwohl dies nie offiziell als Grund bestätigt wurde. Es wird schlichtweg nicht mehr berücksichtigt. ↩︎
- Der Begriff „Links“ bezieht sich somit nicht auf die Spielrichtung, sondern auf die spezielle Landschaftsform, konkret die Dünengräser, zwischen denen diese Golfplätze angelegt wurden (siehe dazu unten FN 7). Es gibt daher in Österreich keinen einzigen Linkskurs und aus Naturschutzgründen dürfen auch weltweit kaum noch welche gebaut werden. ↩︎
- Turnberry dürfte von Trump einigermaßen amerikanisiert, dh für ein exklusives, zahlungskräftiges Publikum vorgesehen und verteuert worden sein (eine Runde Golf kostet dort inzwischen um die 1000 Pfund). ↩︎
- Auch in Royal Liverpool erging es mir vor einigen Jahren nicht anders. Das Clubhaus ist in traditionelleren Clubs wie Royal Troon allerdings den Mitgliedern und Greenfeespielern des Tages vorbehalten. Diese Clubs haben manchmal auch separate Bereiche für Mitglieder und Greenfeespieler und verlangen für das Betreten des Hospitality-Bereichs des Clubhauses Jacket und Halbschuhe. ↩︎
- Sie verlangen dort Hcp 20. ↩︎
- Neben dem Resort befindet sich ein kleiner Flugplatz. Ich vermute, der wird vornehmlich von reichen Amerikanern auf ihren schottischen Golfurlauben genutzt, die von Glasgow oder Prestwick mal kurz für eine Golfrunde nach Machrie rüberfliegen. Spart einen Anreisetag, kostet aber eine landschaftliche Erfahrung. ↩︎
- Nämlich den älteren Kurs in Machrihanish und den neueren Machrihanish Dunes gleich daneben. Falls sich jemand wundert, warum hier so viele Golfplätze im Westen Schottlands „Machrie“ im Wortstamm haben: Das schottisch-gälische Wort „machrie“ leitet sich von „machair“ (gälisch am machaire) ab und bezieht sich auf die sehr artenreiche Küstengraslandschaft mit Muschelsand, wie sie für die Westküsten Schottlands typisch ist. Dagegen hat der Begriff Links, der heute weltweit berühmt ist, weil auf diesen rauen Flächen der Golfsport erfunden wurde, seinen Ursprung im Altenglischen „hlinc“ für die sandigen, welligen Dünenlandschaften mit Quarzsand, der für die Ostküsten Schottlands typisch ist. ↩︎